Kein Täter werden
Der gleichnamige Spot des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ soll für eine verursacherbezogene Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs werben und zeigen, dass es Hilfe gibt, bevor ein Kind zu Schaden kommt. Die Protagonisten des Spots sind entsprechend den Erfahrungen aus dem Präventionsnetzwerk „Leute wie Du und Ich“ – Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedenster gesellschaftlicher Schichten.
Das therapeutische Angebot des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ richtet sich an Menschen, die Hilfe im Umgang mit ihrer sexuellen Präferenz für Kinder suchen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen sexueller Neigung und sexuellem Verhalten. Pädophilie bezeichnet die sexuelle Ansprechbarkeit für den kindlichen Körper vor der Pubertät, Hebephilie die für den Körper in der frühen Pubertät. Bis zu 1 Prozent der Männer fühlen sich sexuell zu Kindern hingezogen, in Deutschland schätzungsweise 250.000 bis 300.000. Nicht jeder Mensch mit einer Pädophilie begeht sexuellen Kindesmissbrauch, und nicht jeder, der Kinder sexuell missbraucht, ist pädophil. Bei Männern, deren sexuelle Übergriffe auf Kinder bekannt geworden sind, meist durch ein Strafverfahren, finden Studien je nach Messmethode bei etwa 40 bis 50 Prozent eine pädophile oder hebephile Neigung. Für Männer, deren Übergriffe unentdeckt bleiben, gibt es dazu keine verlässlichen Zahlen. Täter ohne eine solche Neigung sind nicht durch eine sexuelle Erregbarkeit durch Kinder motiviert; für sie ist die Tat eine Ersatzhandlung, etwa bei sexueller Unerfahrenheit, dissozialer Lebensführung oder einer Intelligenzminderung.
Risikofaktoren gehen während der Therapie nachweislich zurück. Ob die Therapie Taten verhindert, wird derzeit wissenschaftlich geprüft.
Im Spot „Kein Täter werden“ taucht deshalb keine Frau auf, weil die sexuelle Präferenz „Pädophilie“ nach aktuellem Forschungsstand und klinischer Erfahrung bei Frauen äußerst selten vorkommt. Deshalb – da das therapeutische Angebot sich an pädophile Menschen richtet, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und befürchten aufgrund dessen Taten zu begehen – wären Frauen im Spot nicht repräsentativ. In Deutschland liegt laut polizeilicher Kriminalstatistik (2014) der Anteil der Frauen an den Tatverdächtigen für sexuellen Kindesmissbrauch bei 4,6%. Allerdings muss ebenso wie bei männlichen Missbrauchstätern davon ausgegangen werden, dass ein beachtlicher Teil der Taten im Dunkelfeld stattfindet. Sexuell übergriffige Frauen sind aber nach klinischer Erfahrung und Forschung äußerst selten pädophil, sondern in der Regel so genannte Ersatztäterinnen (d. h. die Täterinnen sind sexuell auf erwachsene Sexualpartner ausgerichtet, begehen aber, z. B. aufgrund einer Persönlichkeitsstörung, sexuelle Übergriffe auf Kinder). Das Angebot im Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ richtet sich an Menschen, die verhindern wollen, dass ihre sexuellen Fantasien zu Taten werden. Für andere Zielgruppen gibt es andere Angebote.
Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet ein an allen Standorten kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und/oder Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) konsumieren und deshalb therapeutische Hilfe suchen, ohne aktuell unter Strafverfolgung wegen sexuellem Kindesmissbrauch oder des Konsums von Missbrauchsabbildungen zu stehen. Im Rahmen der Therapie erhalten die betroffenen Personen Unterstützung, um mit ihrer pädophilen oder hebephilen Neigung leben zu lernen, diese zu akzeptieren und in ihr Selbstbild zu integrieren. Ziel ist es, sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet zu verhindern.


