Fragen und Antworten2026-10-20T18:58:13+02:00

Fragen und Antworten

37 Antworten auf häufige Fragen zu Pädophilie und Hebephilie, zur Diagnose, zur Therapie, zur Kritik am Angebot und für Angehörige. Die Antworten stammen aus dem Präventionsnetzwerk, die meisten nennen Quellen.

Grundbegriffe

4 Fragen

Was bedeuten die Begriffe „Hellfeld“ und „Dunkelfeld“?2026-10-20T11:48:41+02:00

Taten, die in irgendeiner Form justizbekannt sind, werden als Taten im Hellfeld bezeichnet (z.B. durch Anzeige, Ermittlungsverfahren, Verurteilung). Ein großer Teil der tatsächlich verübten sexuellen Übergriffe auf Kinder gelangt jedoch nicht zur Anzeige, wird von Justiz und Strafverfolgung nicht erfasst und wird folglich auch in keiner Kriminalstatistik aufgeführt. In der Kriminologie wird dieser Bereich als Dunkelfeld bezeichnet. Nur ein kleiner Teil der Taten wird angezeigt: In einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung in Deutschland gaben Betroffene an, den Missbrauch je nach Art der Tat in 12 bis 18 Prozent der Fälle bei der Polizei angezeigt zu haben (Stadler et al., 2012).

Quellen (1)
  1. Stadler, L., Bieneck, S., & Pfeiffer, C. (2012). Repräsentativbefragung Sexueller Missbrauch 2011 (Forschungsbericht Nr. 118). Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen. kfn.de/wp-content/uploads/Forschungsberichte/FB_118.pdf
Sexuelle Präferenz2026-10-20T11:48:41+02:00

Die sexuelle Präferenz sind die individuellen sexuellen Vorlieben eines Menschen. Sie setzt sich zusammen aus:

  • Dem Geschlecht des gewünschten Sexualpartners (weiblich, männlich oder beide)
  • Dem körperlichen Entwicklungsstadium des gewünschten Sexualpartners (vorpubertär, frühpubertär oder erwachsen)
  • Der Art des gewünschten sexuellen Kontaktes (sexuelle Praktiken)

Die Präferenz lässt sich am besten durch die Fantasien erschließen, die ein Mensch kurz vor seinem Orgasmus hat (Beier & von Heyden, 2025, S. 20–21). Sie sagt daher auch nur bedingt etwas über das Verhalten des Menschen aus – die Fantasien müssen sich nicht in die Tat umsetzen. Sexuelle Präferenzen können unterschiedlich exklusiv ausgebildet sein. Das bedeutet, dass nicht bei allen Menschen nur genau ein Schema erregend wirken kann, sondern mehrere Präferenzen nebeneinander existieren können.

Vermutlich entwickelt sich die sexuelle Präferenz in der Pubertät anhand verschiedener Faktoren, wie Geschlechtshormone und andere biopsychosoziale Einflüsse. Wissenschaftlich ist die Entwicklung der Präferenz jedoch noch nicht geklärt.

Sexuelle Präferenz ist Schicksal und nicht Wahl. Niemand entscheidet sich aktiv für oder gegen seine Neigung.

Quellen (1)
  1. Beier, K. M., & von Heyden, M. (2025). Das tabuisierte eine Prozent: Pädophilie erkennen und behandeln. Ein Leitfaden für die psychosoziale Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht. https://doi.org/10.13109/9783666408793

Sexuelle Präferenz: drei Seiten, und wo sie sich zeigt

Drei Seiten der Präferenz

  1. Geschlecht

    • weiblich
    • männlich
    • beide
  2. Körperliche Entwicklung

    • vorpubertär Pädophilie
    • frühpubertär Hebephilie
    • erwachsen Teleiophilie

    Manche fühlen sich nur von einem Bereich angesprochen (ausschließlicher Typus), andere auch von Erwachsenen (nicht ausschließlicher Typus).

  3. Art des Kontakts

    welche sexuellen Handlungen erregend wirken

Wo sie sich zeigt

Fantasie
zeigt die Präferenz am deutlichsten, vor allem bei der Selbstbefriedigung
Verhalten
muss der Präferenz nicht folgen
Selbstbild
wie man sich selbst sieht; für die Diagnose am wenigsten verlässlich

Die Präferenz sucht sich niemand aus. Für das eigene Verhalten ist man verantwortlich.

Nach Beier/von Heyden 2025, S. 20–21; Beier 2018, S. 4 und 48

Sexueller Kindesmissbrauch2026-10-20T11:48:41+02:00

Als sexuellen Missbrauch von Kindern bestraft das Strafgesetzbuch sexuelle Handlungen an einem Kind und vor einem Kind. Ebenso strafbar ist es, ein Kind zu sexuellen Handlungen an sich selbst oder mit einer dritten Person zu bringen, mit pornografischen Inhalten oder entsprechenden Reden auf ein Kind einzuwirken oder solche Taten anzubahnen, etwa über das Internet (§§ 176 bis 176e StGB).

Als Kinder gelten alle Personen unter 14 Jahren. Sie sind nicht dazu in der Lage, Situationen adäquat einzuschätzen und Folgen abzuwägen, sondern Erwachsenen in diesem Sinne unterlegen und darauf angewiesen, von ihnen geschützt zu werden. Kinder können also nicht in sexuelle Handlungen mit Erwachsenen einwilligen, beziehungsweise kann man einer scheinbaren Einwilligung keine Bedeutung beimessen.

Sexueller Kindesmissbrauch ist für die betroffenen Kinder körperlich und seelisch traumatisierend, die Folgen weitreichend. Sexueller Kindesmissbrauch wird strafrechtlich verfolgt und bestraft.

Pädophilie und Hebephilie sind keinesfalls mit sexuellem Kindesmissbrauch gleichzusetzen (Beier, 2018; Beier & von Heyden, 2025). Dennoch muss beachtet werden, dass eine solche Neigung einem Missbrauch vorausgehen kann und deswegen eine gute Verhaltenskontrolle unerlässlich ist.

Bei Männern, deren sexuelle Übergriffe auf Kinder bekannt geworden sind, meist durch ein Strafverfahren, finden Studien je nach Messmethode bei etwa 40 bis 50 Prozent eine pädophile oder hebephile Neigung (Kuhle et al., 2015, S. 111; Seto, 2018, S. 25–26). Für Männer, deren Übergriffe unentdeckt bleiben, gibt es dazu keine verlässlichen Zahlen.

Quellen (4)
  1. Beier, K. M. (Hrsg.). (2018). Pädophilie, Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch: Die Berliner Dissexualitätstherapie. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-56594-0
  2. Beier, K. M., & von Heyden, M. (2025). Das tabuisierte eine Prozent: Pädophilie erkennen und behandeln. Ein Leitfaden für die psychosoziale Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht. https://doi.org/10.13109/9783666408793
  3. Kuhle, L. F., Grundmann, D., & Beier, K. M. (2015). Sexueller Missbrauch von Kindern: Ursachen und Verursacher. In J. M. Fegert, U. Hoffmann, E. König, J. Niehues & H. Liebhardt (Hrsg.), Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (S. 109–129). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-44244-9_11
  4. Seto, M. C. (2018). Pedophilia and sexual offending against children: Theory, assessment, and intervention (2nd ed.). American Psychological Association. https://doi.org/10.1037/0000107-000
Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte)2026-10-20T11:48:41+02:00

Der in Presse und Justiz gängige Begriff Kinderpornografie ist nicht geeignet, um das zu kennzeichnen, was wir als Nutzung von Missbrauchsabbildungen bezeichnen, da die Aufnahmen Kinder bei sexuellen Handlungen zeigen, die nicht auf deren freiwillige Mitwirkung, sondern auf sexuelle Interessen von Erwachsenen zurückzuführen sind. Abbildungen sexuellen Kindesmissbrauchs, die einmal in Umlauf gebracht wurden, sind praktisch nicht mehr aus dem Internet zu entfernen. Somit ergibt sich für die betroffenen Kinder und Jugendlichen eine lebenslange Konfrontation mit dem durchlebten Missbrauch.

Sowohl die Herstellung und Bereitstellung als auch der Konsum von Missbrauchsabbildungen sind Straftaten, schädigen die abgebildeten Kinder, weil ihr Missbrauch weiter verbreitet und angesehen wird, und dürfen deshalb nicht verharmlost werden.

Pädophilie und Hebephilie

5 Fragen

Was ist Pädophilie? Was Hebephilie?2026-10-20T11:48:41+02:00

Personen mit einer Pädophilie fühlen sich sexuell von Kindern mit einem vorpubertären Körper (z.B. keine Scham- und/oder Achselhaare, kleine Scheide, kleiner Penis, keine oder minimale Brustansätze) angesprochen, die im Allgemeinen nicht älter als 11 Jahre alt sind (Beier, 2018, S. 2, 5; WHO, 2026). Von den Betroffenen können Jungen- und/oder Mädchenkörper als sexuell erregend empfunden werden. Personen mit einer Hebephilie fühlen sich sexuell von Kindern angesprochen, deren körperliche Entwicklung bereits Merkmale der Pubertät aufweist (z.B. wenig Scham- und/oder Achselhaare, leicht entwickelte Scheide, leicht entwickelter Penis, entwickelte Brustansätze). Folgende Selbstbeobachtungen geben Anlass zur Vermutung, dass eine Pädophilie/Hebephilie vorliegt:

  • Sexuelle Erregung beim Betrachten oder beim Kontakt zu vor- und/oder frühpubertären Kindern
  • Sexuell erregende Fantasien, in denen vor- und/oder frühpubertäre Kinder eine Rolle spielen

Auch wer bereits Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) genutzt oder Übergriffe begangen hat, kann sich melden. Eine Tat allein zeigt aber keine Neigung an (siehe „Sexueller Kindesmissbrauch“).

Wie bei jeder Präferenz ist auch bei der Pädo- und Hebephilie der Wunsch nach sexueller Lustbefriedigung nur ein Teil der Sexualität, denn auch der Beziehungsaspekt spielt eine zentrale Rolle. Für viele Betroffene ergibt sich ein Leidensdruck dadurch, dass die gewünschte Sexualität nicht ausgelebt werden kann. Mit Blick auf konkrete sexuelle Verhaltensweisen gelingt es einem Teil der betroffenen Personen, ihre sexuellen Impulse lebenslang auf der Fantasieebene zu belassen. Daher sind die Begriffe Pädophilie und Hebephilie nicht mit sexuellem Kindesmissbrauch oder sexueller Ausbeutung durch den Konsum von Missbrauchsabbildungen gleichzusetzen. Die Neigung erhöht aber das Risiko für Übergriffe und für die Nutzung von Missbrauchsabbildungen; deshalb ist frühe Hilfe wichtig (Beier et al., 2024).

Quellen (3)
  1. Beier, K. M. (Hrsg.). (2018). Pädophilie, Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch: Die Berliner Dissexualitätstherapie. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-56594-0
  2. Beier, K. M., Nentzl, J., von Heyden, M., Fishere, M., & Amelung, T. (2024). Preventing child sexual abuse and the use of child sexual abuse materials: Following up on the German Prevention Project Dunkelfeld. Journal of Prevention, 45(6), 881–900. https://doi.org/10.1007/s10935-024-00792-0
  3. Weltgesundheitsorganisation (WHO). (2026). ICD-11 für Mortalitäts- und Morbiditätsstatistiken (Version 2026-01), 6D32 Pädophile Störung. icd.who.int/browse/2026-01/mms/de#517058174
Was sind die Ursachen einer Pädophilie oder Hebephilie?2026-10-20T11:48:41+02:00

Als Ursachen für die Pädophilie oder Hebephilie werden in der Sexualwissenschaft verschiedene Faktoren diskutiert (z.B. Entwicklungsauffälligkeiten des Gehirns; hormonelle und Neurotransmitterauffälligkeiten; frühe Bindungs- und Beziehungsstörungen; eigene sexuelle Missbrauchserfahrungen) (Seto, 2008; Tenbergen et al., 2015). Die Untersuchungen zu den genannten möglichen Ursachen erklären das Phänomen jedoch bisher allenfalls in Teilaspekten. Insgesamt herrscht über die Entwicklung und den Verlauf einer pädophilen oder hebephilen Erregbarkeit noch kein klares Bild und es besteht weiterer Forschungsbedarf.

Quellen (2)
  1. Seto, M. C. (2008). Pedophilia and sexual offending against children: Theory, assessment, and intervention. American Psychological Association. https://doi.org/10.1037/11639-000
  2. Tenbergen, G., Wittfoth, M., Frieling, H., Ponseti, J., Walter, M., Walter, H., Beier, K. M., Schiffer, B., & Kruger, T. H. C. (2015). The neurobiology and psychology of pedophilia: Recent advances and challenges. Frontiers in Human Neuroscience, 9, 344. https://doi.org/10.3389/fnhum.2015.00344
Wie viele Menschen mit einer Pädophilie oder Hebephilie gibt es? Wie viele davon sind Frauen?2026-10-20T11:48:41+02:00

In Befragungen von Männern in Deutschland gaben zwischen 4 und knapp 10 Prozent an, sexuelle Fantasien mit Kindern vor der Pubertät zu haben (Ahlers et al., 2011; Dombert et al., 2016); etwa 3 Prozent berichteten von sexuellen Handlungen mit Kindern oder von der Nutzung von Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) (Dombert et al., 2016). Internationale Studien kommen je nach Fragestellung auf 2 bis 24 Prozent (Savoie et al., 2021). Fantasien sind aber nicht dasselbe wie eine pädophile Neigung. Zuverlässige Daten darüber, wie groß der Anteil von Menschen mit einer pädophilen oder hebephilen Erregbarkeit in der Bevölkerung ist, gibt es für Deutschland bislang nicht, weil eine bevölkerungsrepräsentative Studie zu diesem Thema noch nicht durchgeführt wurde. In einer solchen Befragung in Tschechien mit 10.044 Erwachsenen gaben 0,6 Prozent der Männer eine deutliche sexuelle Präferenz für vorpubertäre Kinder an, weitere 1,7 Prozent ein entsprechendes Interesse (Bártová et al., 2021). Weitere wissenschaftliche Untersuchungen, die diese Fragestellung erhellen sollen, laufen. Die Häufigkeit wird – bislang erhobenen Daten zufolge – auf bis zu 1 % der männlichen Bevölkerung geschätzt (Beier, 2018; Beier & von Heyden, 2025). Das betrifft in Deutschland 250.000 bis 300.000 Männer (Beier & von Heyden, 2025, S. 13).

Nach bisherigem Kenntnisstand ist die Mehrheit aller Menschen mit pädophiler bzw. hebephiler Erregbarkeit männlichen Geschlechts (Beier & von Heyden, 2025, S. 45–46; Savoie et al., 2021). In der tschechischen Befragung waren es bei den Frauen 0 Prozent mit deutlicher Präferenz und 0,4 Prozent mit einem entsprechenden Interesse (Bártová et al., 2021).

Quellen (6)
  1. Ahlers, C. J., Schaefer, G. A., Mundt, I. A., Roll, S., Englert, H., Willich, S. N., & Beier, K. M. (2011). How unusual are the contents of paraphilias? Paraphilia-associated sexual arousal patterns in a community-based sample of men. The Journal of Sexual Medicine, 8(5), 1362–1370. https://doi.org/10.1111/j.1743-6109.2009.01597.x
  2. Bártová, K., Androvičová, R., Krejčová, L., Weiss, P., & Klapilová, K. (2021). The prevalence of paraphilic interests in the Czech population: Preference, arousal, the use of pornography, fantasy, and behavior. The Journal of Sex Research, 58(1), 86–96. https://doi.org/10.1080/00224499.2019.1707468
  3. Beier, K. M. (Hrsg.). (2018). Pädophilie, Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch: Die Berliner Dissexualitätstherapie. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-56594-0
  4. Beier, K. M., & von Heyden, M. (2025). Das tabuisierte eine Prozent: Pädophilie erkennen und behandeln. Ein Leitfaden für die psychosoziale Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht. https://doi.org/10.13109/9783666408793
  5. Dombert, B., Schmidt, A. F., Banse, R., Briken, P., Hoyer, J., Neutze, J., & Osterheider, M. (2016). How common is men’s self-reported sexual interest in prepubescent children? The Journal of Sex Research, 53(2), 214–223. https://doi.org/10.1080/00224499.2015.1020108
  6. Savoie, V., Quayle, E., & Flynn, E. (2021). Prevalence and correlates of individuals with sexual interest in children: A systematic review. Child Abuse & Neglect, 115, 105005. https://doi.org/10.1016/j.chiabu.2021.105005
Sind alle Menschen, die einen sexuellen Kindesmissbrauch begehen, pädo- oder hebephil?2026-10-20T11:48:41+02:00

Nein. Es kann zwischen Personen, die durch vor- und/oder frühpubertäre Kinder erregbar sind und einen sexuellen Kindesmissbrauch begehen, und Personen, die durch Erwachsene erregbar sind und einen sexuellen Kindesmissbrauch begehen, unterschieden werden (Beier, 1998; Seto, 2008). Letztere sind nicht durch ihre sexuelle Erregbarkeit durch Kinder motiviert; für sie ist die Tat eine Ersatzhandlung, etwa bei sexueller Unerfahrenheit, dissozialer Lebensführung oder einer Intelligenzminderung (Beier, 1995, S. 79–80; Beier, 1998).

Quellen (3)
  1. Beier, K. M. (1995). Dissexualität im Lebenslängsschnitt: Theoretische und empirische Untersuchungen zu Phänomenologie und Prognose begutachteter Sexualstraftäter (Monographien aus dem Gesamtgebiete der Psychiatrie, Bd. 78). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-642-79601-2
  2. Beier, K. M. (1998). Differential typology and prognosis for dissexual behavior: A follow-up study of previously expert-appraised child molesters. International Journal of Legal Medicine, 111(3), 133–141. https://doi.org/10.1007/s004140050133
  3. Seto, M. C. (2008). Pedophilia and sexual offending against children: Theory, assessment, and intervention. American Psychological Association. https://doi.org/10.1037/11639-000
Kann der Konsum von Missbrauchsabbildungen den Wunsch nach sexuellem Missbrauch eines Kindes stärken?2026-10-20T11:48:41+02:00

Inwiefern der Konsum von Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) den Wunsch nach Realisierung eines sexuellen Kontaktes mit einem Kind verstärkt, kann nach gegenwärtigem Stand der Forschung nicht abschließend beurteilt werden (vgl. Dombert et al., 2016; Seto et al., 2011). Da aber bereits der Konsum strafbar ist (§ 184b StGB) und den Missbrauch der abgebildeten Kinder fortsetzt, ist der Verzicht auf den Konsum von Missbrauchsabbildungen ebenso Ziel der therapeutischen Bemühungen im Netzwerk „Kein Täter werden“.

Quellen (2)
  1. Dombert, B., Schmidt, A. F., Banse, R., Briken, P., Hoyer, J., Neutze, J., & Osterheider, M. (2016). How common is men’s self-reported sexual interest in prepubescent children? The Journal of Sex Research, 53(2), 214–223. https://doi.org/10.1080/00224499.2015.1020108
  2. Seto, M. C., Hanson, R. K., & Babchishin, K. M. (2011). Contact sexual offending by men with online sexual offenses. Sexual Abuse, 23(1), 124–145. https://doi.org/10.1177/1079063210369013

Diagnose

3 Fragen

Wird bei Jugendlichen nicht vorschnell eine Diagnose gestellt?2026-10-19T17:18:49+02:00

Nach dem DSM-5 wird bei Jugendlichen unter 16 Jahren keine pädophile Störung diagnostiziert. Das Präventionsprojekt für Jugendliche spricht deshalb von einer sexuellen Ansprechbarkeit für das kindliche Körperschema. Das Angebot richtet sich an Jugendliche, die sich zu deutlich jüngeren Kindern hingezogen fühlen oder bereits übergriffig geworden sind. Ziel ist, dass sie lernen, ihr Verhalten zu steuern, und dass ihre Belastung sinkt. Viele haben zusätzlich eine psychische Erkrankung: Bei 57 % der 185 männlichen Jugendlichen mit abgeschlossener Eingangsdiagnostik lag bereits mindestens eine bekannte kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankung vor (Schlinzig et al., 2021).

Ob die sexuelle Ansprechbarkeit bleibt, lässt sich bei Jugendlichen nicht sicher sagen.

Quellen (1)
  1. Schlinzig, E., Schuler, M., Kreutzmann, A., Legeland, L. T., Pantazidis, P., Hellenschmidt, T. J., & Beier, K. M. (2021). Berliner Dissexualitätstherapie für Adoleszente (BEDIT-A): Das Präventionsprojekt für Jugendliche (PPJ) „Du träumst von ihnen“. Sexuologie, 28(3–4), 187–191. https://doi.org/10.61387/S.2021.34.41
Wie wird eine Diagnose gestellt?2026-10-20T11:48:41+02:00

Die Diagnose Pädophilie bzw. Hebephilie kann nach einem gründlichen klinischen Interview gestellt werden, in welchem eine Vielzahl von Informationen zum sexuellen Erleben und Verhalten erfragt werden. Ergänzt werden die hierbei gesammelten Informationen z. B. durch zusätzliche Fragebögen und Testverfahren (Psychodiagnostik).

Fragebögen und Tests stellen jedoch nur zusätzliche Verfahren dar und können ein diagnostisches Gespräch nicht ersetzen. Ohne ein klinisches Interview kann keine zuverlässige Diagnose gestellt werden.

Die Kriterien, die für eine Diagnose Pädophilie erfüllt sein müssen, sind in den international anerkannten diagnostischen Leitlinien festgelegt (WHO, 2026). Das wichtigste Kriterium ist hierbei die sexuelle Erregbarkeit einer erwachsenen Person durch vorpubertäre Kinder. Für die Hebephilie, die Ansprechbarkeit für Kinder in der frühen Pubertät, gibt es in der ICD-11 keine eigene Diagnose; fachlich wird sie gemeinsam mit der Pädophilie betrachtet.

Quellen (1)
  1. Weltgesundheitsorganisation (WHO). (2026). ICD-11 für Mortalitäts- und Morbiditätsstatistiken (Version 2026-01), 6D32 Pädophile Störung. icd.who.int/browse/2026-01/mms/de#517058174
Wer kann die Diagnose einer Pädophilie oder Hebephilie stellen?2026-10-20T11:48:41+02:00

Die Diagnose stellen Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten, die in der Sexualmedizin besonders erfahren sind.

Therapie

8 Fragen

Wie funktioniert die Therapie?2026-10-20T14:53:05+02:00

Die gesamte Therapie erfolgt kostenlos und unter Schweigepflicht. Die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenkassen, an einzelnen Standorten das Land – unabhängig davon, ob und wie Sie versichert sind.

Im Verlauf der Therapie lernen die Teilnehmenden

  • sexuelle Übergriffe und die Nutzung von Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) zu verhindern
  • ihre sexuelle Präferenz zu akzeptieren und in ihr Selbstbild zu integrieren
  • Beziehungen und Kontakte zu anderen Menschen zu stärken
  • mit Scham, Angst und Niedergeschlagenheit umzugehen
  • ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse angemessen wahrzunehmen und zu bewerten
  • fremdgefährdende Entwicklungen zu identifizieren und zu bewältigen

Ob Angehörige einbezogen werden können, erfahren Sie beim Standort. Die Behandlung folgt einem strukturierten Therapieplan, berücksichtigt aber die individuellen Bedürfnisse und erfolgt in Absprache mit den Teilnehmenden. Sie integriert psychotherapeutische, sexualwissenschaftliche, medizinische und psychologische Ansätze sowie die Möglichkeit einer zusätzlichen medikamentösen Unterstützung. Medikamente nur, wenn Sie es möchten; Sie entscheiden das gemeinsam mit den Behandelnden. Wie oft und wie lange die Therapie stattfindet, steht unter „Wie lange dauert die Therapie?“.

Zielt die Therapie darauf ab, das sexuelle Verlangen zu unterdrücken?2026-10-20T11:48:41+02:00

Ziel der Behandlung ist, dass es nicht zu sexuellen Übergriffen und nicht zur Nutzung von Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) kommt. Dazu gehört, die eigene Neigung anzunehmen und mit ihr zufrieden zu leben. Die Teilnehmenden lernen Strategien, um diesen Bereich ihres Lebens zu bewältigen und insbesondere sexuelle Impulse gegenüber Kindern zu kontrollieren.

Die therapeutische Konzentration richtet sich deshalb auf das Erlernen und Trainieren von Kompetenzen zum sicheren, nicht fremd- und selbstgefährdenden Umgang mit den eigenen sexuellen Impulsen, gegebenenfalls auch mit medikamentöser Unterstützung zur Dämpfung des sexuellen Verlangens.

Somit wird der Schutz von Kindern durch die Verhinderung von sexuellem Kindesmissbrauch und der Nutzung von Missbrauchsabbildungen über die Etablierung bzw. Optimierung einer sexuellen Verhaltenskontrolle angestrebt.

Wie lange dauert die Therapie?2026-10-20T11:48:41+02:00

Wie lange die ambulante Therapie dauert, richtet sich nach dem Einzelfall; meist dauert sie mindestens ein Jahr. Die Sitzungen finden in der Regel wöchentlich statt. Die Therapie wird in Gruppen durchgeführt und, falls notwendig, auch als Einzeltherapie.

Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie?2026-10-20T11:48:41+02:00

Erfolgreiche Therapien kommen vor allem dann zustande, wenn Behandelnde und Teilnehmende gleichermaßen ihre unterschiedlichen Aufgaben während einer Therapie wahrnehmen.

Seitens der Teilnehmenden beeinflussen Offenheit, das Einbringen relevanter Probleme, regelmäßige Mitarbeit und das Treffen von Entscheidungen das Therapieziel maßgeblich. Entscheidend ist die eigene Motivation, keine sexuellen Übergriffe auf Kinder zu begehen und keine Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) zu nutzen.

Die Behandlung übernehmen approbierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die in Diagnostik und Behandlung sexueller Präferenz- und Verhaltensstörungen erfahren sind; Medikamente verordnen Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. So verlangen es die Fördergrundsätze des GKV-Spitzenverbands. Die Behandelnden nehmen regelmäßig an Supervision teil.

Wird die therapeutische Schweigepflicht auch eingehalten, wenn Teilnehmende einen sexuellen Missbrauch begangen haben?2026-10-20T11:48:41+02:00

Die Behandelnden unterliegen der therapeutischen Schweigepflicht bezüglich aller in der Vergangenheit liegenden Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs, die ihnen im Rahmen ihrer therapeutischen Tätigkeit bekannt werden (§ 203 StGB). Die Verletzung dieser Schweigepflicht ist strafbar. Für zurückliegende Taten gibt es keine Anzeigepflicht.

Die therapeutische Schweigepflicht ist eine Basis für den präventiven Ansatz des Netzwerks. So kann auch einem nicht der Justiz bekannten, hilfesuchenden Menschen mit einer sexuellen Erregbarkeit auf kindliche Reize therapeutische Hilfe angeboten werden, um (erneute) Übergriffe zu verhindern. Sonst blieben diese Menschen für eine Therapie unerreichbar. Aus präventiver Sicht ist also diese Gesetzeslage in Deutschland in hohem Maße zu begrüßen.

Besteht eine akute Gefahr für ein Kind, suchen wir zuerst gemeinsam mit der Person nach Wegen, das Kind zu schützen. Wir können uns ohne Namensnennung von einer Kinderschutzfachkraft beraten lassen. Lässt sich die Gefahr anders nicht abwenden, informieren wir das Jugendamt; darauf weisen wir vorher hin, wenn das den Schutz des Kindes nicht gefährdet. Bei dringender Gefahr informieren wir das Jugendamt unverzüglich. Ist die Person selbst in akuter Gefahr, steht ihre Sicherheit an erster Stelle.

Was heißt „ohne Namen möglich“?2026-10-20T17:09:36+02:00

Sie können vom ersten Kontakt bis zum Ende der Therapie unter einem anderen Namen teilnehmen. Ihre Angaben werden unter einem Pseudonym geführt und vertraulich behandelt. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.

Die Behandlung wird über ein Modellvorhaben finanziert, bei dem Ihre Anonymität gesetzlich geschützt ist (§ 65d SGB V). Ihre Krankenkasse erfährt dadurch nicht, dass Sie das Angebot nutzen.

Alle, die bei uns mit Ihnen arbeiten, unterliegen der Schweigepflicht. Über frühere Taten können Sie offen sprechen, auch über die frühere Nutzung von Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte). Das ist durch die Schweigepflicht geschützt (§ 203 StGB). Ist ein Kind gefährdet, gibt es gesetzliche Ausnahmen, über die wir offen sprechen. Mehr dazu unter „Wird die therapeutische Schweigepflicht auch eingehalten, wenn Teilnehmende einen sexuellen Missbrauch begangen haben?“.

Für Jugendliche: Was deine Eltern erfahren, besprechen wir vorher mit dir. Mehr auf der Seite für Jugendliche.

Quellen (2)
  1. § 65d SGB V (Förderung besonderer Therapiemaßnahmen im Rahmen von Modellvorhaben), Abs. 2 und 3. www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__65d.html
  2. § 203 Strafgesetzbuch (Verletzung von Privatgeheimnissen). www.gesetze-im-internet.de/stgb/__203.html
Was ist ein Erfolg? Wie groß sind die Erfolgschancen einer Therapie?2026-10-20T11:48:41+02:00

Ziel der Therapie ist, dass es nicht zu sexuellen Übergriffen auf Kinder und nicht zur Nutzung von Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) kommt. Außerdem soll es den Menschen in Behandlung psychisch besser gehen. Von einem Erfolg kann man sprechen, wenn das gelingt und auf die Therapie zurückgeht.

Was die Forschung bisher zeigt:

  • Bei Menschen, die bereits Sexualstraftaten begangen hatten, geht eine spezialisierte Behandlung mit weniger erneuten Sexualstraftaten einher, im Mittel um etwa ein Drittel (Gannon et al., 2019). Ob das auch für Menschen gilt, die sich freiwillig und ohne Verfahren melden, ist noch nicht belegt.
  • Das Netzwerk erreicht Menschen, deren Taten der Justiz nicht bekannt sind: Keine der Taten, die Teilnehmende der ersten Berliner Studie berichteten, war den Behörden bekannt (Beier et al., 2015).
  • In Studien des Netzwerks gingen Risikofaktoren während der Therapie nachweislich zurück, etwa Einstellungen, die Missbrauch begünstigen, und Schwierigkeiten, sich selbst zu steuern (Beier et al., 2015; Engel et al., 2018). Die Studien sind klein und hatten keine zufällig zugeteilte Vergleichsgruppe. Eine Nachauswertung fand keinen gesicherten Unterschied zu einer Wartegruppe (Mokros & Banse, 2019).
  • In einer Nachbefragung früherer Teilnehmender in Berlin hielt ein Teil der Verbesserungen an. Von 26 Männern, die vor der Therapie Übergriffe begangen hatten, berichteten 2 von erneuten Übergriffen; wer vorher keine Übergriffe begangen hatte, berichtete keine. Missbrauchsabbildungen nutzten die meisten früheren Nutzer erneut, oft seltener und weniger schwere Inhalte (Beier et al., 2024). In einer Stichprobe aus Hamburg und Bamberg berichteten 14 % der Personen mit früheren Übergriffen erneute Übergriffe und 39 % derer, die früher Missbrauchsabbildungen genutzt hatten, eine erneute Nutzung (von Franqué et al., 2023). Alle diese Zahlen beruhen auf Selbstauskünften. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht sagen, wie viele Taten es ohne Therapie gegeben hätte.
  • Erste Studien mit zufälliger Zuteilung bei Hilfesuchenden, vor allem aus Schweden, zeigen kurzfristige Effekte auf sexuelle Impulse und Risikowerte (Landgren et al., 2020; McMahan et al., 2026).

Ob die Therapie Taten verhindert, wird derzeit wissenschaftlich geprüft. Das Angebot wird unabhängig evaluiert. Die Bundesregierung schrieb 2025, erste Zwischenergebnisse deuteten auf positive Effekte hin, reichten für eine fundierte Beurteilung aber noch nicht aus (Deutscher Bundestag, 2025, S. 167).

Nachsorgegruppen können helfen, Erreichtes zu halten. Ohne weitere Begleitung können Verbesserungen nachlassen (Beier et al., 2024).

Quellen (9)
  1. Beier, K. M., Grundmann, D., Kuhle, L. F., Scherner, G., Konrad, A., & Amelung, T. (2015). The German Dunkelfeld Project: A pilot study to prevent child sexual abuse and the use of child abusive images. The Journal of Sexual Medicine, 12(2), 529–542. https://doi.org/10.1111/jsm.12785
  2. Beier, K. M., Nentzl, J., von Heyden, M., Fishere, M., & Amelung, T. (2024). Preventing child sexual abuse and the use of child sexual abuse materials: Following up on the German Prevention Project Dunkelfeld. Journal of Prevention, 45(6), 881–900. https://doi.org/10.1007/s10935-024-00792-0
  3. Deutscher Bundestag (2025). Entwurf eines Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege. Gesetzentwurf der Bundesregierung (Drucksache 21/1511), S. 167. dserver.bundestag.de/btd/21/015/2101511.pdf
  4. Engel, J., Körner, M., Schuhmann, P., Krüger, T. H. C., & Hartmann, U. (2018). Reduction of risk factors for pedophilic sexual offending. The Journal of Sexual Medicine, 15(11), 1629–1637. https://doi.org/10.1016/j.jsxm.2018.09.001
  5. Gannon, T. A., Olver, M. E., Mallion, J. S., & James, M. (2019). Does specialized psychological treatment for offending reduce recidivism? A meta-analysis examining staff and program variables as predictors of treatment effectiveness. Clinical Psychology Review, 73, 101752. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2019.101752
  6. Landgren, V., Malki, K., Bottai, M., Arver, S., & Rahm, C. (2020). Effect of gonadotropin-releasing hormone antagonist on risk of committing child sexual abuse in men with pedophilic disorder: A randomized clinical trial. JAMA Psychiatry, 77(9), 897–905. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2020.0440
  7. McMahan, A., Joleby, M., Andersson, G., Letourneau, E. J., Seto, M. C., Luke, T. J., & Rahm, C. (2026). An international randomized waitlist-controlled trial of internet-delivered cognitive behavioral therapy for sexual urges toward children. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 94(7), 425–436. https://doi.org/10.1037/ccp0001019
  8. Mokros, A., & Banse, R. (2019). The “Dunkelfeld” Project for self-identified pedophiles: A reappraisal of its effectiveness. The Journal of Sexual Medicine, 16(5), 609–613. https://doi.org/10.1016/j.jsxm.2019.02.009
  9. von Franqué, F., Bergner-Koether, R., Schmidt, S., Pellowski, J. S., Peters, J. H., Hajak, G., & Briken, P. (2023). Individuals under voluntary treatment with sexual interest in minors: What risk do they pose? Frontiers in Psychiatry, 14, 1277225. Korrigiert 2024 und 2025. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1277225
Ist die medikamentöse Behandlung eine „chemische Kastration“?2026-10-19T09:46:37+02:00

Nein. „Chemische Kastration“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für Medikamente, die das sexuelle Verlangen dämpfen. Er ist aus drei Gründen irreführend:

  • Bei einer Kastration werden die Hoden entfernt; das ist endgültig. Medikamente entfernen nichts, ihre Wirkung lässt nach, wenn sie abgesetzt werden.
  • Nicht alle Medikamente senken den Testosteronspiegel. Ein Teil wirkt über den Botenstoff Serotonin und verändert den Hormonhaushalt nicht (Beier & von Heyden, 2025, S. 148).
  • Der Begriff klingt nach Strafe und Zwang. Medikamente werden nur freiwillig eingesetzt, nach ausführlicher Aufklärung und gemeinsamer Entscheidung, und sie ergänzen die Psychotherapie. Für oder gegen ein Medikament kann man sich zu jedem Zeitpunkt der Therapie entscheiden (Beier, 2018).

Medikamente können sexuelles Verlangen und Impulse dämpfen, an der Neigung selbst ändern sie nichts. In einer placebokontrollierten Studie mit 52 hilfesuchenden Männern in Schweden senkte ein Medikament, das die Testosteronbildung unterdrückt (Degarelix), nach zwei Wochen einen Risikowert für sexuellen Kindesmissbrauch; Nebenwirkungen waren häufig (Landgren et al., 2020). Insgesamt ist die Studienlage zu Medikamenten schmal (Landgren et al., 2022). Ob Medikamente Taten verhindern, ist nicht belegt.

Quellen (4)
  1. Beier, K. M. (Hrsg.). (2018). Pädophilie, Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch: Die Berliner Dissexualitätstherapie. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-56594-0
  2. Beier, K. M., & von Heyden, M. (2025). Das tabuisierte eine Prozent: Pädophilie erkennen und behandeln. Ein Leitfaden für die psychosoziale Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht. https://doi.org/10.13109/9783666408793
  3. Landgren, V., Malki, K., Bottai, M., Arver, S., & Rahm, C. (2020). Effect of gonadotropin-releasing hormone antagonist on risk of committing child sexual abuse in men with pedophilic disorder: A randomized clinical trial. JAMA Psychiatry, 77(9), 897–905. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2020.0440
  4. Landgren, V., Savard, J., Dhejne, C., Jokinen, J., Arver, S., Seto, M. C., & Rahm, C. (2022). Pharmacological treatment for pedophilic disorder and compulsive sexual behavior disorder: A review. Drugs, 82(6), 663–681. https://doi.org/10.1007/s40265-022-01696-1

Kritik und offene Fragen

7 Fragen

Was ist ein Erfolg? Wie groß sind die Erfolgschancen einer Therapie?2026-10-20T11:48:41+02:00

Ziel der Therapie ist, dass es nicht zu sexuellen Übergriffen auf Kinder und nicht zur Nutzung von Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) kommt. Außerdem soll es den Menschen in Behandlung psychisch besser gehen. Von einem Erfolg kann man sprechen, wenn das gelingt und auf die Therapie zurückgeht.

Was die Forschung bisher zeigt:

  • Bei Menschen, die bereits Sexualstraftaten begangen hatten, geht eine spezialisierte Behandlung mit weniger erneuten Sexualstraftaten einher, im Mittel um etwa ein Drittel (Gannon et al., 2019). Ob das auch für Menschen gilt, die sich freiwillig und ohne Verfahren melden, ist noch nicht belegt.
  • Das Netzwerk erreicht Menschen, deren Taten der Justiz nicht bekannt sind: Keine der Taten, die Teilnehmende der ersten Berliner Studie berichteten, war den Behörden bekannt (Beier et al., 2015).
  • In Studien des Netzwerks gingen Risikofaktoren während der Therapie nachweislich zurück, etwa Einstellungen, die Missbrauch begünstigen, und Schwierigkeiten, sich selbst zu steuern (Beier et al., 2015; Engel et al., 2018). Die Studien sind klein und hatten keine zufällig zugeteilte Vergleichsgruppe. Eine Nachauswertung fand keinen gesicherten Unterschied zu einer Wartegruppe (Mokros & Banse, 2019).
  • In einer Nachbefragung früherer Teilnehmender in Berlin hielt ein Teil der Verbesserungen an. Von 26 Männern, die vor der Therapie Übergriffe begangen hatten, berichteten 2 von erneuten Übergriffen; wer vorher keine Übergriffe begangen hatte, berichtete keine. Missbrauchsabbildungen nutzten die meisten früheren Nutzer erneut, oft seltener und weniger schwere Inhalte (Beier et al., 2024). In einer Stichprobe aus Hamburg und Bamberg berichteten 14 % der Personen mit früheren Übergriffen erneute Übergriffe und 39 % derer, die früher Missbrauchsabbildungen genutzt hatten, eine erneute Nutzung (von Franqué et al., 2023). Alle diese Zahlen beruhen auf Selbstauskünften. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht sagen, wie viele Taten es ohne Therapie gegeben hätte.
  • Erste Studien mit zufälliger Zuteilung bei Hilfesuchenden, vor allem aus Schweden, zeigen kurzfristige Effekte auf sexuelle Impulse und Risikowerte (Landgren et al., 2020; McMahan et al., 2026).

Ob die Therapie Taten verhindert, wird derzeit wissenschaftlich geprüft. Das Angebot wird unabhängig evaluiert. Die Bundesregierung schrieb 2025, erste Zwischenergebnisse deuteten auf positive Effekte hin, reichten für eine fundierte Beurteilung aber noch nicht aus (Deutscher Bundestag, 2025, S. 167).

Nachsorgegruppen können helfen, Erreichtes zu halten. Ohne weitere Begleitung können Verbesserungen nachlassen (Beier et al., 2024).

Quellen (9)
  1. Beier, K. M., Grundmann, D., Kuhle, L. F., Scherner, G., Konrad, A., & Amelung, T. (2015). The German Dunkelfeld Project: A pilot study to prevent child sexual abuse and the use of child abusive images. The Journal of Sexual Medicine, 12(2), 529–542. https://doi.org/10.1111/jsm.12785
  2. Beier, K. M., Nentzl, J., von Heyden, M., Fishere, M., & Amelung, T. (2024). Preventing child sexual abuse and the use of child sexual abuse materials: Following up on the German Prevention Project Dunkelfeld. Journal of Prevention, 45(6), 881–900. https://doi.org/10.1007/s10935-024-00792-0
  3. Deutscher Bundestag (2025). Entwurf eines Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege. Gesetzentwurf der Bundesregierung (Drucksache 21/1511), S. 167. dserver.bundestag.de/btd/21/015/2101511.pdf
  4. Engel, J., Körner, M., Schuhmann, P., Krüger, T. H. C., & Hartmann, U. (2018). Reduction of risk factors for pedophilic sexual offending. The Journal of Sexual Medicine, 15(11), 1629–1637. https://doi.org/10.1016/j.jsxm.2018.09.001
  5. Gannon, T. A., Olver, M. E., Mallion, J. S., & James, M. (2019). Does specialized psychological treatment for offending reduce recidivism? A meta-analysis examining staff and program variables as predictors of treatment effectiveness. Clinical Psychology Review, 73, 101752. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2019.101752
  6. Landgren, V., Malki, K., Bottai, M., Arver, S., & Rahm, C. (2020). Effect of gonadotropin-releasing hormone antagonist on risk of committing child sexual abuse in men with pedophilic disorder: A randomized clinical trial. JAMA Psychiatry, 77(9), 897–905. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2020.0440
  7. McMahan, A., Joleby, M., Andersson, G., Letourneau, E. J., Seto, M. C., Luke, T. J., & Rahm, C. (2026). An international randomized waitlist-controlled trial of internet-delivered cognitive behavioral therapy for sexual urges toward children. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 94(7), 425–436. https://doi.org/10.1037/ccp0001019
  8. Mokros, A., & Banse, R. (2019). The “Dunkelfeld” Project for self-identified pedophiles: A reappraisal of its effectiveness. The Journal of Sexual Medicine, 16(5), 609–613. https://doi.org/10.1016/j.jsxm.2019.02.009
  9. von Franqué, F., Bergner-Koether, R., Schmidt, S., Pellowski, J. S., Peters, J. H., Hajak, G., & Briken, P. (2023). Individuals under voluntary treatment with sexual interest in minors: What risk do they pose? Frontiers in Psychiatry, 14, 1277225. Korrigiert 2024 und 2025. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1277225
Warum zeigen Behandelnde Taten nicht an?2026-10-19T17:18:49+02:00

Für Behandelnde gilt die Schweigepflicht wie in jeder ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung (§ 203 StGB). Für zurückliegende Taten gibt es keine Anzeigepflicht. Diese Vertraulichkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen über Taten sprechen, von denen sonst niemand weiß, und dass daran gearbeitet werden kann. In einer Befragung von Menschen mit sexuellem Interesse an Kindern nannten viele die Unsicherheit über die Vertraulichkeit als eine Hürde, Hilfe zu suchen (Levenson & Grady, 2019).

Die Therapie schützt nicht vor Strafverfolgung. Taten während der Behandlung werden in der Therapie bearbeitet; der Schutz des betroffenen Kindes steht dabei an erster Stelle. Dafür gibt es in der Berliner Dissexualitätstherapie das veröffentlichte Zusatzmodul „Kinderschutz und Verantwortungsübernahme“: Die Schritte, die eine Person mit Unterstützung der Behandelnden gehen kann, reichen davon, eine erwachsene Bezugsperson oder Sorgeberechtigte einzuweihen und Hilfe für das Kind in die Wege zu leiten, über die Beratung durch eine Kinderschutzfachkraft bis zur Information des Jugendamts oder einer gemeinsam abgewogenen Selbstanzeige (Grundmann et al., 2021).

Ist ein Kind gefährdet und lässt sich die Gefahr nicht anders abwenden, informieren wir das Jugendamt. Bei dringender Gefahr informieren wir das Jugendamt unverzüglich.

Quellen (3)
  1. Grundmann, D., Scherner, G., & Ulrich, H. (2021). Ein Zusatzmodul für die Berliner Dissexualitätstherapie (BEDIT): Kinderschutz und Verantwortungsübernahme. Sexuologie, 28(3–4), 181. https://doi.org/10.61387/S.2021.34.40
  2. Levenson, J. S., & Grady, M. D. (2019). Preventing sexual abuse: Perspectives of minor-attracted persons about seeking help. Sexual Abuse, 31(8), 991–1013. https://doi.org/10.1177/1079063218797713
  3. § 203 Strafgesetzbuch (Verletzung von Privatgeheimnissen). www.gesetze-im-internet.de/stgb/__203.html
Wieso wird die Therapie anonym angeboten?2026-10-19T17:18:49+02:00

Die Behandlung ist durchgehend unter einem Pseudonym möglich, vom ersten Kontakt bis zur Therapie. Viele Menschen fürchten Stigmatisierung oder andere Nachteile, wenn sie sich mit einer pädophilen Störung unter ihrem Namen, etwa über die Krankenkasse, registrieren müssten, auch wenn sie nie eine Tat begangen haben. In Befragungen nannten Menschen in Behandlung wegen Sexualdelikten und Menschen mit sexuellem Interesse an Kindern die Sorge um Vertraulichkeit und vor rechtlichen Folgen als wichtige Hürde, Hilfe zu suchen (Levenson & Grady, 2019; Levenson et al., 2017). Der Gesetzgeber verlangt, die Anonymität der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten (§ 65d SGB V).

Anonymität erschwert allerdings die Überprüfung, weil sich Daten aus Strafregistern nur mit Einwilligung abgleichen ließen. Wie die Wirkung trotzdem gemessen wird, steht unter „Warum wird die Wirkung über Selbstauskünfte gemessen?“.

Quellen (3)
  1. Levenson, J. S., & Grady, M. D. (2019). Preventing sexual abuse: Perspectives of minor-attracted persons about seeking help. Sexual Abuse, 31(8), 991–1013. https://doi.org/10.1177/1079063218797713
  2. Levenson, J. S., Willis, G. M., & Vicencio, C. P. (2017). Obstacles to help-seeking for sexual offenders: Implications for prevention of sexual abuse. Journal of Child Sexual Abuse, 26(2), 99–120. https://doi.org/10.1080/10538712.2016.1276116
  3. § 65d SGB V (Förderung besonderer Therapiemaßnahmen im Rahmen von Modellvorhaben), Abs. 2 und 3. www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__65d.html
Warum wird die Wirkung über Selbstauskünfte gemessen?2026-10-20T11:48:41+02:00

Die Richtlinien des Collaborative Outcome Data Committee (2007) fordern, offiziell bekannt gewordene Straftaten zu erfassen. Im Dunkelfeld geht das kaum: Der Abgleich mit Strafregistern setzt die Einwilligung der Person voraus, die dann nicht mehr anonym ist. Und nur ein kleiner Teil sexueller Übergriffe wird angezeigt, je nach Art der Tat etwa 12 bis 18 Prozent (Stadler et al., 2012).

Deshalb wird die Wirkung vor allem über Selbstauskünfte und über Veränderungen bei Risikofaktoren gemessen, etwa bei Einstellungen oder Empathie (Beier et al., 2024; von Franqué et al., 2023). Selbstauskünfte haben Grenzen: Taten können verschwiegen oder beschönigt werden. Strafregister bilden das Geschehen aber ebenfalls nur zu einem kleinen Teil ab. Unabhängig geprüft wird die Arbeit durch die externe Evaluation (siehe „Wer prüft die Arbeit unabhängig?“).

Quellen (4)
  1. Beier, K. M., Nentzl, J., von Heyden, M., Fishere, M., & Amelung, T. (2024). Preventing child sexual abuse and the use of child sexual abuse materials: Following up on the German Prevention Project Dunkelfeld. Journal of Prevention, 45(6), 881–900. https://doi.org/10.1007/s10935-024-00792-0
  2. Collaborative Outcome Data Committee. (2007). The Collaborative Outcome Data Committee’s guidelines for the evaluation of sexual offender treatment outcome research. Part 2: CODC guidelines (Corrections Research User Report 2007-03). Public Safety Canada. publications.gc.ca/collection_2008/ps-sp/PS3-1-2007-3E.pdf
  3. Stadler, L., Bieneck, S., & Pfeiffer, C. (2012). Repräsentativbefragung Sexueller Missbrauch 2011 (Forschungsbericht Nr. 118). Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen. kfn.de/wp-content/uploads/Forschungsberichte/FB_118.pdf
  4. von Franqué, F., Bergner-Koether, R., Schmidt, S., Pellowski, J. S., Peters, J. H., Hajak, G., & Briken, P. (2023). Individuals under voluntary treatment with sexual interest in minors: What risk do they pose? Frontiers in Psychiatry, 14, 1277225. Korrigiert 2024 und 2025. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1277225
Wer prüft die Arbeit unabhängig?2026-10-19T17:18:49+02:00

Die meisten veröffentlichten Daten stammen aus Studien des Netzwerks selbst. In der Forschung zur Behandlung von Menschen mit Sexualdelikten berichten Studien von Programmbeteiligten im Mittel größere Effekte als unabhängige (Holper et al., 2024). Deshalb ist die externe Evaluation wichtig. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hat die Technische Universität Chemnitz beauftragt, alle Modellvorhaben nach § 65d SGB V zu untersuchen (TU Chemnitz, o. J.). Der Bericht der unabhängigen Sachverständigen muss veröffentlicht werden (§ 65d Abs. 3 SGB V). Der Abschlussbericht wird für Ende 2026 erwartet.

Quellen (3)
  1. Holper, L., Mokros, A., & Habermeyer, E. (2024). Moderators of sexual recidivism as indicator of treatment effectiveness in persons with sexual offense histories: An updated meta-analysis. Sexual Abuse, 36(3), 255–291. https://doi.org/10.1177/10790632231159071
  2. § 65d SGB V (Förderung besonderer Therapiemaßnahmen im Rahmen von Modellvorhaben), Abs. 2 und 3. www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__65d.html
  3. TU Chemnitz, Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie. (o. J.). Evaluation nach § 65d SGB V. tu-chemnitz.de/hsw/psychologie/professuren/klinpsy/forschung/§65d/
Kann die Behandlung das Übergriffsrisiko erhöhen?2026-10-19T17:18:49+02:00

Behandlungen können je nach individuellem Risiko unterschiedlich wirken. Forschung mit Menschen, die bereits Sexualstraftaten begangen hatten, zeigt: Spezialisierte Behandlung wirkt besser als unspezifische, vor allem bei mittlerem und hohem Risiko; bei niedrigem Risiko kann Behandlung die Rückfallrate sogar erhöhen (Holper et al., 2024). Auf Menschen, die nie straffällig wurden, lassen sich diese Ergebnisse nur eingeschränkt übertragen.

Die Behandlung im Netzwerk orientiert sich deshalb am Risk-Need-Responsivity-Prinzip: Die Intensität der Hilfe passt zum individuellen Risiko, die Therapie setzt an den Faktoren an, die das Risiko für Übergriffe erhöhen, etwa bestimmte Denkweisen oder mangelnde Impulskontrolle, und die Art der Hilfe wird an Fähigkeiten, Motivation und Lernstil der Person angepasst. Viele Menschen in Behandlung haben, auch wenn sie der Justiz nie bekannt geworden sind, ein hohes selbstberichtetes Risiko (von Franqué et al., 2023). In einer randomisierten Studie mit Menschen, die anonym Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) nutzten, ging die angegebene Nutzungszeit mit einer internetgestützten Therapie etwas stärker zurück als in der Vergleichsgruppe (Lätth et al., 2022). Was Studien zur Wirkung der Therapie insgesamt zeigen, steht unter „Was ist ein Erfolg?“.

Quellen (3)
  1. Holper, L., Mokros, A., & Habermeyer, E. (2024). Moderators of sexual recidivism as indicator of treatment effectiveness in persons with sexual offense histories: An updated meta-analysis. Sexual Abuse, 36(3), 255–291. https://doi.org/10.1177/10790632231159071
  2. Lätth, J., Landgren, V., McMahan, A., Sparre, C., Eriksson, J., Malki, K., Söderquist, E., Görts Öberg, K., Rozental, A., Andersson, G., Kaldo, V., Långström, N., & Rahm, C. (2022). Effects of internet-delivered cognitive behavioral therapy on use of child sexual abuse material: A randomized placebo-controlled trial on the Darknet. Internet Interventions, 30, 100590. https://doi.org/10.1016/j.invent.2022.100590
  3. von Franqué, F., Bergner-Koether, R., Schmidt, S., Pellowski, J. S., Peters, J. H., Hajak, G., & Briken, P. (2023). Individuals under voluntary treatment with sexual interest in minors: What risk do they pose? Frontiers in Psychiatry, 14, 1277225. Korrigiert 2024 und 2025. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1277225
Warum Geld für diese Gruppe statt für Betroffene?2026-10-19T17:18:49+02:00

Die Therapie soll sexuelle Übergriffe auf Kinder und die Nutzung von Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) verhindern. Sie setzt an, bevor Kinder geschädigt werden, und wirkt wiederholtem Missbrauch entgegen. Hilfe für Betroffene und Prävention bei möglichen Tätern schließen sich nicht aus; beide sind nötig. Die gesetzlichen Krankenkassen fördern die Modellvorhaben derzeit mit insgesamt fünf Millionen Euro im Jahr, befristet bis Ende 2027 (§ 65d Abs. 1 SGB V). Ob die Behandlung dauerhaft von den Krankenkassen getragen wird, soll auf Grundlage der abschließenden Evaluationsergebnisse diskutiert werden (Deutscher Bundestag, 2025).

Sexueller Missbrauch verursacht neben dem Leid der Betroffenen hohe Folgekosten, etwa für Behandlung, Jugendhilfe und Erwerbsausfall. Eine US-Studie schätzt sie auf durchschnittlich rund 280.000 US-Dollar über das Leben eines betroffenen Mädchens (Letourneau et al., 2018). Für Deutschland werden die jährlichen Folgekosten von Misshandlung, Vernachlässigung und Missbrauch in der Kindheit auf 11 bis 30 Milliarden Euro geschätzt (Habetha et al., 2012). Schon eine vergleichsweise kleine Zahl verhinderter Taten würde die Förderung rechnerisch aufwiegen. Ob und wie viele Taten die Therapie verhindert, wird derzeit wissenschaftlich geprüft.

Quellen (3)
  1. Deutscher Bundestag (2025). Entwurf eines Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege. Gesetzentwurf der Bundesregierung (Drucksache 21/1511), S. 167. dserver.bundestag.de/btd/21/015/2101511.pdf
  2. Habetha, S., Bleich, S., Weidenhammer, J., & Fegert, J. M. (2012). A prevalence-based approach to societal costs occurring in consequence of child abuse and neglect. Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health, 6, 35. https://doi.org/10.1186/1753-2000-6-35
  3. Letourneau, E. J., Brown, D. S., Fang, X., Hassan, A., & Mercy, J. A. (2018). The economic burden of child sexual abuse in the United States. Child Abuse & Neglect, 79, 413–422. https://doi.org/10.1016/j.chiabu.2018.02.020

Angehörige

11 Fragen

Ich habe es gerade erfahren. Was jetzt?2026-10-20T17:09:51+02:00

Schock, Angst, Wut, Ekel, Trauer oder Mitleid: Vieles davon kann gleichzeitig da sein. Manche sind auch erleichtert, dass es ausgesprochen ist. Andere Angehörige berichten von ähnlichen Gefühlen. Manche brauchen erst einmal Abstand. Nicht alles müssen Sie sofort entscheiden. Sorgen Sie sich aber um ein Kind, holen Sie sich Rat. Wird es Ihnen zu viel, holen Sie sich Unterstützung.

Kann ich mich melden, auch wenn die Person nicht bei Ihnen ist?2026-10-20T17:09:51+02:00

Ja. Alle Angehörigen können sich bei uns melden: Partnerinnen und Partner, Eltern, erwachsene Kinder, Geschwister und andere nahe Menschen. Das gilt auch, wenn die Person selbst (noch) nicht bei uns ist, oder wenn Sie nur einen Verdacht haben. Ihren Namen müssen Sie nicht nennen. Im Gespräch können Sie Ihre Fragen stellen.

Gibt es Hilfe für mich selbst?2026-10-20T17:09:52+02:00

Sie können sich Unterstützung holen, auch wenn es vor allem um die andere Person geht. Was die Standorte für Angehörige anbieten, ist unterschiedlich: zum Beispiel Gespräche für Sie allein, zu zweit oder in einer Gruppe. Fragen Sie beim Standort nach. Auch Fachberatungsstellen beraten Angehörige.

Mit wem kann ich darüber reden?2026-10-20T17:09:52+02:00

Viele Angehörige behalten es für sich, aus Sorge, wie andere reagieren. Allein damit zu bleiben, kann belasten. Wem Sie es erzählen, können Sie gemeinsam mit der Person überlegen. Sie können sich auch an einen Standort wenden. Sich über das Thema zu informieren, ist nicht verboten.

Bleibt das unter uns?2026-10-20T17:09:52+02:00

Ihren Namen müssen Sie nicht nennen. Was die Person in ihrer Therapie sagt, unterliegt der Schweigepflicht. Sie erfahren es in der Regel nur, wenn die Person einverstanden ist. Wie mit Ihren eigenen Angaben umgegangen wird, fragen Sie am besten gleich zu Beginn.

Habe ich etwas falsch gemacht?2026-10-20T17:09:52+02:00

Nach heutigem Wissen entsteht eine sexuelle Neigung nicht durch Erziehung. Erziehung kann sie weder hervorrufen noch abstellen. Meist zeigt sich die Neigung schon in der Jugend, also lange bevor eine Partnerschaft beginnt. Trotzdem fühlen sich manche Angehörige schuldig, wütend oder beschämt.

Muss ich auf die Person aufpassen?2026-10-20T17:09:52+02:00

Für ihr Verhalten ist die Person selbst verantwortlich, nicht Sie. Ganz kontrollieren kann man einen anderen Menschen nicht. Ob und wie Sie die Person unterstützen, entscheiden Sie selbst. Leben Kinder im Haushalt, lassen Sie sich beraten, was Sie tun können.

Kann unsere Beziehung weitergehen?2026-10-20T17:09:52+02:00

Ob Sie in der Beziehung bleiben, entscheiden Sie selbst. Beide Wege kommen vor. Viele zweifeln zuerst an der Beziehung und an sich selbst. Vertrauen braucht oft Zeit. Für Ihre Entscheidung dürfen Sie sich Zeit und Unterstützung nehmen. Ob es Gespräche zu zweit gibt, fragen Sie beim Standort nach.

Wie spreche ich es an? Und wenn die Person keine Hilfe will?2026-10-20T17:09:52+02:00

Wenn Sie es ansprechen: in Ruhe, ohne die Neigung zu verurteilen, aber deutlich beim Verhalten. Sie können sagen, dass es Hilfe gibt: kostenlos, unter Schweigepflicht und ohne Namen. Ob die Person eine Therapie beginnt, entscheidet sie selbst. Will sie keine Hilfe, bleibt die Verantwortung bei ihr. Sie selbst können sich trotzdem bei uns melden.

Ich mache mir Sorgen um ein Kind. Was kann ich tun?2026-10-20T17:09:52+02:00

Ob ein Kind sicher ist, lässt sich von außen nicht beurteilen, auch nicht über diese Website. Nehmen Sie Ihre Sorge ernst und holen Sie sich Rat: beim Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch (0800 22 55 530, kostenlos und anonym, auch bei einem Verdacht), bei einer Fachberatungsstelle oder beim Jugendamt. Die Person mit der Neigung kann sich selbst an einen unserer Standorte wenden.

Es geht um Missbrauchsabbildungen. Was heißt das?2026-10-20T17:09:52+02:00

Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) sind kein opferloses Delikt: Für jedes Bild wurde ein Kind missbraucht, und jede Nutzung erhöht die Nachfrage. Missbrauchsabbildungen anzusehen, herunterzuladen oder zu besitzen, ist strafbar. Sichern oder kopieren Sie keine Bilder, auch nicht als Beweis. Auch dafür gibt es Therapie. Ihr Ziel ist, keine solchen Bilder mehr zu nutzen. War schon die Polizei da und läuft ein Ermittlungs- oder Strafverfahren, behandeln wir die Person in dieser Zeit nicht. Sie kann sich wieder melden, wenn das Verfahren abgeschlossen ist.

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