Was ist ein Erfolg? Wie groß sind die Erfolgschancen einer Therapie?
Ziel der Therapie ist, dass es nicht zu sexuellen Übergriffen auf Kinder und nicht zur Nutzung von Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) kommt. Außerdem soll es den Menschen in Behandlung psychisch besser gehen. Von einem Erfolg kann man sprechen, wenn das gelingt und auf die Therapie zurückgeht.
Was die Forschung bisher zeigt:
- Bei Menschen, die bereits Sexualstraftaten begangen hatten, geht eine spezialisierte Behandlung mit weniger erneuten Sexualstraftaten einher, im Mittel um etwa ein Drittel (Gannon et al., 2019). Ob das auch für Menschen gilt, die sich freiwillig und ohne Verfahren melden, ist noch nicht belegt.
- Das Netzwerk erreicht Menschen, deren Taten der Justiz nicht bekannt sind: Keine der Taten, die Teilnehmende der ersten Berliner Studie berichteten, war den Behörden bekannt (Beier et al., 2015).
- In Studien des Netzwerks gingen Risikofaktoren während der Therapie nachweislich zurück, etwa Einstellungen, die Missbrauch begünstigen, und Schwierigkeiten, sich selbst zu steuern (Beier et al., 2015; Engel et al., 2018). Die Studien sind klein und hatten keine zufällig zugeteilte Vergleichsgruppe. Eine Nachauswertung fand keinen gesicherten Unterschied zu einer Wartegruppe (Mokros & Banse, 2019).
- In einer Nachbefragung früherer Teilnehmender in Berlin hielt ein Teil der Verbesserungen an. Von 26 Männern, die vor der Therapie Übergriffe begangen hatten, berichteten 2 von erneuten Übergriffen; wer vorher keine Übergriffe begangen hatte, berichtete keine. Missbrauchsabbildungen nutzten die meisten früheren Nutzer erneut, oft seltener und weniger schwere Inhalte (Beier et al., 2024). In einer Stichprobe aus Hamburg und Bamberg berichteten 14 % der Personen mit früheren Übergriffen erneute Übergriffe und 39 % derer, die früher Missbrauchsabbildungen genutzt hatten, eine erneute Nutzung (von Franqué et al., 2023). Alle diese Zahlen beruhen auf Selbstauskünften. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht sagen, wie viele Taten es ohne Therapie gegeben hätte.
- Erste Studien mit zufälliger Zuteilung bei Hilfesuchenden, vor allem aus Schweden, zeigen kurzfristige Effekte auf sexuelle Impulse und Risikowerte (Landgren et al., 2020; McMahan et al., 2026).
Ob die Therapie Taten verhindert, wird derzeit wissenschaftlich geprüft. Das Angebot wird unabhängig evaluiert. Die Bundesregierung schrieb 2025, erste Zwischenergebnisse deuteten auf positive Effekte hin, reichten für eine fundierte Beurteilung aber noch nicht aus (Deutscher Bundestag, 2025, S. 167).
Nachsorgegruppen können helfen, Erreichtes zu halten. Ohne weitere Begleitung können Verbesserungen nachlassen (Beier et al., 2024).
Quellen (9)
- Beier, K. M., Grundmann, D., Kuhle, L. F., Scherner, G., Konrad, A., & Amelung, T. (2015). The German Dunkelfeld Project: A pilot study to prevent child sexual abuse and the use of child abusive images. The Journal of Sexual Medicine, 12(2), 529–542. https://doi.org/10.1111/jsm.12785
- Beier, K. M., Nentzl, J., von Heyden, M., Fishere, M., & Amelung, T. (2024). Preventing child sexual abuse and the use of child sexual abuse materials: Following up on the German Prevention Project Dunkelfeld. Journal of Prevention, 45(6), 881–900. https://doi.org/10.1007/s10935-024-00792-0
- Deutscher Bundestag (2025). Entwurf eines Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege. Gesetzentwurf der Bundesregierung (Drucksache 21/1511), S. 167. dserver.bundestag.de/btd/21/015/2101511.pdf
- Engel, J., Körner, M., Schuhmann, P., Krüger, T. H. C., & Hartmann, U. (2018). Reduction of risk factors for pedophilic sexual offending. The Journal of Sexual Medicine, 15(11), 1629–1637. https://doi.org/10.1016/j.jsxm.2018.09.001
- Gannon, T. A., Olver, M. E., Mallion, J. S., & James, M. (2019). Does specialized psychological treatment for offending reduce recidivism? A meta-analysis examining staff and program variables as predictors of treatment effectiveness. Clinical Psychology Review, 73, 101752. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2019.101752
- Landgren, V., Malki, K., Bottai, M., Arver, S., & Rahm, C. (2020). Effect of gonadotropin-releasing hormone antagonist on risk of committing child sexual abuse in men with pedophilic disorder: A randomized clinical trial. JAMA Psychiatry, 77(9), 897–905. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2020.0440
- McMahan, A., Joleby, M., Andersson, G., Letourneau, E. J., Seto, M. C., Luke, T. J., & Rahm, C. (2026). An international randomized waitlist-controlled trial of internet-delivered cognitive behavioral therapy for sexual urges toward children. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 94(7), 425–436. https://doi.org/10.1037/ccp0001019
- Mokros, A., & Banse, R. (2019). The “Dunkelfeld” Project for self-identified pedophiles: A reappraisal of its effectiveness. The Journal of Sexual Medicine, 16(5), 609–613. https://doi.org/10.1016/j.jsxm.2019.02.009
- von Franqué, F., Bergner-Koether, R., Schmidt, S., Pellowski, J. S., Peters, J. H., Hajak, G., & Briken, P. (2023). Individuals under voluntary treatment with sexual interest in minors: What risk do they pose? Frontiers in Psychiatry, 14, 1277225. Korrigiert 2024 und 2025. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1277225
Wenn Sie sich in dieser Frage wiederfinden: Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet an mehreren Standorten eine kostenlose, vertrauliche Beratung und Behandlung an. Die Schweigepflicht schützt Sie. Ist ein Kind gefährdet, gibt es gesetzliche Ausnahmen, über die wir offen sprechen.