Kann die Behandlung das Übergriffsrisiko erhöhen?
Behandlungen können je nach individuellem Risiko unterschiedlich wirken. Forschung mit Menschen, die bereits Sexualstraftaten begangen hatten, zeigt: Spezialisierte Behandlung wirkt besser als unspezifische, vor allem bei mittlerem und hohem Risiko; bei niedrigem Risiko kann Behandlung die Rückfallrate sogar erhöhen (Holper et al., 2024). Auf Menschen, die nie straffällig wurden, lassen sich diese Ergebnisse nur eingeschränkt übertragen.
Die Behandlung im Netzwerk orientiert sich deshalb am Risk-Need-Responsivity-Prinzip: Die Intensität der Hilfe passt zum individuellen Risiko, die Therapie setzt an den Faktoren an, die das Risiko für Übergriffe erhöhen, etwa bestimmte Denkweisen oder mangelnde Impulskontrolle, und die Art der Hilfe wird an Fähigkeiten, Motivation und Lernstil der Person angepasst. Viele Menschen in Behandlung haben, auch wenn sie der Justiz nie bekannt geworden sind, ein hohes selbstberichtetes Risiko (von Franqué et al., 2023). In einer randomisierten Studie mit Menschen, die anonym Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) nutzten, ging die angegebene Nutzungszeit mit einer internetgestützten Therapie etwas stärker zurück als in der Vergleichsgruppe (Lätth et al., 2022). Was Studien zur Wirkung der Therapie insgesamt zeigen, steht unter „Was ist ein Erfolg?“.
Quellen (3)
- Holper, L., Mokros, A., & Habermeyer, E. (2024). Moderators of sexual recidivism as indicator of treatment effectiveness in persons with sexual offense histories: An updated meta-analysis. Sexual Abuse, 36(3), 255–291. https://doi.org/10.1177/10790632231159071
- Lätth, J., Landgren, V., McMahan, A., Sparre, C., Eriksson, J., Malki, K., Söderquist, E., Görts Öberg, K., Rozental, A., Andersson, G., Kaldo, V., Långström, N., & Rahm, C. (2022). Effects of internet-delivered cognitive behavioral therapy on use of child sexual abuse material: A randomized placebo-controlled trial on the Darknet. Internet Interventions, 30, 100590. https://doi.org/10.1016/j.invent.2022.100590
- von Franqué, F., Bergner-Koether, R., Schmidt, S., Pellowski, J. S., Peters, J. H., Hajak, G., & Briken, P. (2023). Individuals under voluntary treatment with sexual interest in minors: What risk do they pose? Frontiers in Psychiatry, 14, 1277225. Korrigiert 2024 und 2025. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1277225
Wenn Sie sich in dieser Frage wiederfinden: Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet an mehreren Standorten eine kostenlose, vertrauliche Beratung und Behandlung an. Die Schweigepflicht schützt Sie. Ist ein Kind gefährdet, gibt es gesetzliche Ausnahmen, über die wir offen sprechen.