Kann die Behandlung das Übergriffsrisiko erhöhen?
Diese Sorge nehmen wir sehr ernst. Es gibt Forschung [z. B. (Holper et al., 2024)], die zeigt, dass Behandlungen je nach individuellem Risiko unterschiedlich wirken können. Unser Ansatz berücksichtigt das genau, orientiert am wissenschaftlich etablierten Risk-Need-Responsivity (RNR)-Prinzip. Das bedeutet vereinfacht:
- Risk (Risiko): Die Intensität der Hilfe soll zum individuellen Risiko passen. Nicht zu viel, nicht zu wenig.
- Need (Bedarf): Die Therapie konzentriert sich auf die spezifischen Faktoren, die das Risiko für Übergriffe erhöhen (z. B. bestimmte Denkweisen, mangelnde Impulskontrolle).
- Responsivity (Ansprechbarkeit): Die Art der Hilfe wird an die persönlichen Fähigkeiten, die Motivation und den Lernstil des Einzelnen angepasst.
Viele unserer Teilnehmer haben – auch wenn sie nie straffällig wurden – ein hohes selbstberichtetes Risiko (von Franqué et al., 2023). Für sie sind spezialisierte, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Programme wie unsere nachweislich hilfreich und nicht schädlich (Holper et al., 2024). Studien zeigen, dass solche spezialisierten Therapien [z.B. (Lätth et al., 2022); (Landgren et al., 2020)] positive Veränderungen bei wichtigen Risikofaktoren bewirken können (Beier et al., 2024). Unser Ziel ist immer, durch passende, oft multimodale Hilfe [Therapiegespräche und ggf. Medikamente, siehe (Beier, 2021)] das Risiko sicher zu senken.
Wenn Sie sich in dieser Frage wiederfinden: Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet an mehreren Standorten eine kostenlose, vertrauliche Beratung und Behandlung an. Die Schweigepflicht gilt ohne Einschränkung.