Interview mit Prof. Dr. Dr. Klaus M. Beier
Interview am Rande der Jubiläumsveranstaltung am 22. September 2025: Prof. Dr. Dr. Klaus M. Beier, Gründer und Sprecher des Präventionsnetzwerks, über die Anfänge des Projekts, seine politischen Wegbereiter und die Gefahr durch KI-generierte Missbrauchsdarstellungen.
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Unser Projekt hat in den 20 Jahren sehr viel erreicht. Das hing aber zusammen damit, dass sehr viele Menschen zum richtigen Zeitpunkt sehr intensiv sich hinter dieses Projekt gestellt haben. Und zwar aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft, aber eben auch Fachkollegen. Wir hatten ein tolles Anfangsteam, nachdem die VolkswagenStiftung sich entschieden hat, die Finanzierung für drei Jahre zu übernehmen, was ein mutiger Schritt war.
Und damit waren wir in den Stand gesetzt, ein Konzept zu erproben, von dem ich allerdings, so viel darf ich sagen, überzeugt war, dass es funktionieren würde. Weil ich eben über die Betroffenen so viel wusste, dass es sie in großer Anzahl gibt in der allgemeinen Bevölkerung, dass sie in wahrscheinlich großer Anzahl Leidensdruck haben und sich nicht zu professionellen Helfern trauen, aus Angst vor sozialer Ausgrenzung.
Und ich wusste, dass von dieser Gruppe eine hohe ... Gefahr ausgehen kann für Kinder, sowohl, was eben ... den Missbrauch betrifft, als auch die Nutzung von Missbrauchsabbildungen. Insofern war für mich klar, wir haben uns hier im Dunkelfeld, und zwar anonym, schweigepflichtgeschützt, Angebote unterbreiten. Und ... da hatten wir eben ganz tolle Freunde, Partner, unter anderem die Kinderschutzorganisation Hänsel+Gretel.
Die Verknüpfung zwischen Scholz & Friends kam ja über die Kinderschutzorganisation. Das war meines Erachtens der entscheidende Motor für den Erfolg. Weil wir zwar Patienten kannten, die schon vorher zu uns kamen, aber jetzt erhöhte sich ja die Zahl, weil offenbar die Art und Weise der Werbung genau richtig gelungen ist.
Das hat mich auch beeindruckt, sich in ein Thema hineinversetzen kann als Mensch der Öffentlichkeitsarbeit. Und es dann so aufbereiten, dass es das Ziel erreicht, was man anstrebt, hat mich sehr beeindruckt. Ein weiterer Meilenstein war ja die Förderung, die Minister Gröhe ja angestoßen hat über den GKV, wo ja auch das Modellvorhaben evaluiert wurde.
Ist das ein weiterer Meilenstein gewesen? Ein extrem wichtiger Meilenstein, der bis heute noch an Zauberei grenzt, weil offenbar in einem sehr günstigen Moment die politischen Entscheider eine Lösung unterstützen, die wenige Jahre zuvor oder später wahrscheinlich so nicht umsetzbar gewesen wäre. Überhaupt muss man sagen, dass wir mit diesem Projekt sehr viel Glück hatten in der deutschen Politik, einflussreiche Persönlichkeiten hinter uns zu wissen.
Unter anderem die Justizministerin, die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, die 2008 dafür gesorgt hat, dass die Projektphase verlängert werden konnte, weil ja die Förderung durch die VolkswagenStiftung ausgelaufen war. Und da hat sie schon 2007 entsprechend für eine Fortsetzung geworben und im Bundestag mit einer Rede sich hinter das Projekt gestellt, nämlich hinter die Idee. dass man eigentlich Hochachtung haben muss vor den Menschen, die diese Neigung haben und sich Hilfe suchen und ihnen diese Möglichkeit eröffnen muss.
Das war auch im Nachhinein sehr bewundernswert, die Klarsichtigkeit, die sie als Politikerin hier an den Tag gelegt hat. Wenn wir jetzt in die Zukunft schauen, Die Dimensionen des Internets, der KI, all diese Themen, die anstehen, stelle ich mir die Frage, was wäre, wenn es „Kein Täter werden“, die sexualmedizinischen Ambulanzen, wenn es das alles nicht gäbe?
Wären wir denn letztlich überhaupt in irgendeiner Form einen Gegenpol zu den dramatischen Entwicklungen zu setzen? Ich würde meinen, dass die Möglichkeiten der Gegensteuerung dann praktisch null wären. Ich muss leider sagen, dass gerade durch die Entwicklung der neuen Technologien, und wir reden hier von einem Entwicklungsschub, der vor zwei Jahren begann und die künstliche Intelligenz dazu gebracht hat, Bilder zu erzeugen, wo sie nicht mehr erkennen können, ist das Wirklichkeit oder falsch?
Also die mit künstlicher Intelligenz hergestellten Missbrauchsabbildungen besorge ich ungemein, weil ich sie kenne, weil ich die Anstiege kenne, weil ich die Meldungsdichte kenne, die jetzt im letzten Jahr auch die Behörden erreicht. dass die Behörden dem Herr werden können. Das heißt, man muss einen zusätzlichen Weg beschreiten, der sich auf die Verursacher konzentriert und die Übertragungswege.
Ich bin überzeugt davon, dass man die KI nutzen kann, um diese Bildmaterialien zu erkennen und auf den Endgeräten zu blockieren. Und zwar alles innerhalb des Endgeräts. weil die Chip-Hersteller mittlerweile eine so leistungsfähige Technologie zur Verfügung stellen, dass man dafür keine externen Server mehr braucht. Und das wird den Durchbruch bringen, weil unsere Patienten werden das in Anspruch nehmen.
Und ideal wäre natürlich, wenn man es rechtspolitisch so weit umsetzen könnte, ich denke jetzt eben an eine ... verpflichtende Herangehensweise an die Hersteller, die das auf ihren Smartphones und Laptops installieren könnten, wenn es dafür die entsprechenden rechtlichen Grundlagen gibt. Dafür wäre ich, dafür würde ich auch werben und eintreten.
Aber zunächst weiß ich, die Technologie wird es geben. Und zwar bald. Und wir werden versuchen, sie in unsere Therapien zu integrieren. Es bleibt viel zu tun, 20 Jahre vorbei. Aber ich glaube, noch 20 Jahre Und leider Gottes noch mehr in der Zukunft. an diesem Thema dranbleiben. Ja, wobei ich glaube, wenn es gelingt mit KI, hier Hilfestellungen einzubauen, das geht schneller.
Wir werden schon in vier, fünf Jahren Änderungen erkennen können. Ich hoffe aber eben, dass auch die verursacherbezogene Prävention, die wir aufgebaut haben, verstetigt werden kann. Dazu bedarf es anderer gesetzlicher Grundlagen, denn das Modellvorhaben nach 65 D Das Sozialgesetzbuch läuft definitiv aus. In spätestens zwei Jahren wird man eine andere Lösung finden müssen.
Und das wird sicher nicht leicht. Und hier hoffe ich wieder auf das Momentum in der Politik und die Unterstützer, die bereit sind, diesen Weg mit uns zu gehen. Vielen Dank.


